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Kunsthaus Zürich

Grusswort

Liebe Besucherinnen, liebe Besucher

Vielleicht haben Sie mehr Erfahrung mit dem Legen von Grundsteinen als ich. – Jedenfalls ist es schon seltsam, mit einem Spaten in ein ziemlich grosses Loch zu klettern, um dort einen kistenförmigen Hohlkörper in einem (viel kleineren!) Loch zu vergraben. Für immer. Irgendwie war es im Anschluss an die würdige und kurzweilige Feier doch gut, dass wir uns für die Kunsthaus-Erweiterung noch einen Grundstein besorgt hatten, den Sie alle künftig im neuen Kunsthaus auch (für immer) sehen können. Und dieser Kunstgrundstein ist glücklicherweise ein Geschenk von Urs Fischer an uns alle. Fürs Erste steht er in der Eingangshalle!

Letztes Jahr haben wir Ihnen Picabia und Giacometti präsentiert, dieses Jahr Kirchner, was auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun hat, und dennoch: auch Kirchner war eine Ausnahmeerscheinung unter den Künstlern des 20. Jahrhunderts. Mit ihm verbindet man den Expressionismus, und nun zeigen wir zum ersten Mal in der Schweiz mit fabelhaften Leihgaben aus dem Berliner Brücke-Museum und aus aller Welt die entscheidende Phase seines Schaffens zwischen 1911 und 1917 in der Metropole Berlin und auf der Ostseeinsel Fehmarn. Ein vielfältiges Werk voll abrupter Kontraste: trübe Laternen, nasser Asphalt, volle Bars, leere Absinthgläser, oder Künstlerkommune, Strandleben und freie Liebe. Kirchner ist hierzulande mit seinem Schaffen nach 1917 bekannt, der sogenannten Davoser Zeit, aber Sie werden staunen, wie wild und unangepasst es zu Beginn zuging, und mit welcher Dynamik die Klassische Moderne am Anfang des 20. Jahrhunderts dank dem jungen, wilden Kirchner Fahrt aufnimmt.

Veränderungen gibt es, da die Eingangshalle wegen der unterirdischen Verbindung zum Chipperfield-Bau nun eine zeitlang geschlossen sein wird, aber keine Sorge, wir bringen Sie stets sicher und bequem zur Kunst und wieder zurück dank ausgeklügelter Übergangslösung.

Ihr Christoph Becker

P.S. Verpassen Sie nicht das hochaktuelle Thema «Kunst und Integration» mit Schwerpunkten zu Migration, zeitgenössischer Kunst ausserhalb Europas und mit Angeboten für Menschen mit spezifischen Bedürfnissen. Wir widmen ihm den Tag der offenen Tür am 1. April.

Christoph Becker
Foto © Severin Jakob
Christoph Becker
Foto © Severin Jakob