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Kunsthaus Zürich

Grusswort

Liebe Besucherinnen, liebe Besucher

Hätte man vor fünfzig Jahren gefragt, wer der berühmteste Schweizer Künstler des 20. Jahrhunderts sein würde, hätte wohl kaum jemand den Namen Alberto Giacometti genannt. Er war umstritten, sein Werk nur in wenigen Sammlungen vertreten, und als er am 11. Januar 1966 in Chur starb, war die Stiftung, die seinen Namen trägt, von einigen weitsichtigen Kunstfreunden gerade erst gegründet worden. Bruno Giacometti, Albertos Bruder und mäzenatischer Freund des Kunsthauses, hat uns vor einigen Jahren einen wahren Schatz geschenkt, jene Werke aus Gips, Ton und Plastilin, die in dem verwaisten Atelier geblieben waren und an denen der Künstler unablässig bis unmittelbar vor seinem Tod gearbeitet hatte. Nach einer höchst anspruchsvollen Restaurierungskampagne rücken sie nun, grösstenteils zum ersten Mal überhaupt, ins Licht der Öffentlichkeit, im wahrsten Sinn einzigartige, berührende Meisterwerke, die wir Ihnen im grossen Ausstellungssaal zeigen.
Wer sich für die Klassische Moderne begeistert, kennt den Namen Edvard Munch, von dem das Kunsthaus die grösste Werkgruppe ausserhalb seiner Heimat Norwegen besitzt. Unsere Sammlung ist eng verbunden mit dem Depositum der Herbert Eugen Esche-Stiftung, die ihren hervorragenden Bestand dank einer grosszügigen Mäzenin jüngst um eine höchst bedeutende Dauerleihgabe bereichern konnte. Grund genug, Ihnen die Geschichte eines eigenwilligen, der Moderne zugewandten Textilindustriellen aus Chemnitz anhand der Munch-Porträts seiner Familie (samt des zugehörigen Originalmobiliars von van de Velde) in einer informativen Accrochage vorzustellen. Der Zürcher Peter Wechsler (*1951) lebt und arbeitet seit langem in Wien, und wir freuen uns über das Gastspiel des höchst versierten Zeichners, der mit Bleistift und Tusche eigentümliche Bildwelten auf grossformatigen Blättern schafft, die wir mit früheren Arbeiten zu einer kompakten Retrospektive seines Schaffens auf Papier erweitern.
Und wie geht es weiter? Das Jahresprogramm 2017 ist soeben erschienen. Es wird abwechslungsreich: Die beste Schaffensphase von Ernst Ludwig Kirchner – in der quirligen Metropole Berlin und auf der beschaulichen Ostseeinsel Fehmarn; ein experimentelles Projekt zur Kunst der Performance mit internationalen Protagonisten; die farbenfrohe Premiere der höchst amüsanten neapolitanischen «Cantastorie» und ein frischer Blick auf die Entwicklung der französischen Kunst von der Romantik bis zum Impressionismus mit Hauptwerken der lange unterschätzten Salonmalerei. Die Reformation vor 500 Jahren und ihre Folgen für die Kunst ist das Thema unserer Bilderwahl!

Ihr Christoph Becker

Christoph Becker
Foto © Severin Jakob
Christoph Becker
Foto © Severin Jakob