Inhalt
Drucken macht Eindruck
Als das Kunsthaus Zürich beschloss, einen Gesamtkatalog von allen Kunstwerken des Hauses herauszugeben, wurde ich eingestellt, um die Werke digital zu erfassen. Erst alle 4500 Werke in schwarz/weiss für die wissenschaftliche Edition, dann davon noch einige hundert in Farbe für die reich bebilderte, kleinere Ausgabe.
Für einen gelernten Positivretoucheur, Fotografen und Grafiker wie mich, wäre dies vor 50 Jahren noch eine «Jahrhundertaufgabe» gewesen. Ich sehe heute noch die Fotolithografen beim Ätzen der Auszugsfilme vor mir, neben sich das Originalgemälde auf der Staffelei, inmitten von Chemiebehältern. Zyankali war damals noch eine häufig verwendete Chemikalie, die verwendet wurde, um noch das letzte geschwärzte Silber aus der Emulsion zu verbannen. Ich war wohl einer der letzten Lehrlinge, der noch in Salpetersäure eingelegte Glasplatten mit der Bürste von der alten Emulsion befreite, gelatinierte und anschliessend in der Dunkelkammer mit Freudendorfscher Emulsion beschichtete, einer hellrosa farbigen Flüssigkeit, die überall in der Kammer deutliche Spuren hinterliess. Davon ist, ausser Nostalgie, nicht viel übrig geblieben. Ich musste mich mit der Digitalisierung im Prepress-Bereich und mit neuer Hardware, die das Kunsthaus extra angeschafft hatte, vertraut machen. Der Scanner hat die Reprokamera ersetzt und die Inkjetdrucker produzieren heute Proofs von bisher unerreichter Qualität. Aber halt, der Anspruch an den Lithografen, die Klaviatur der Farben zu verstehen und zu interpretieren gilt nach wie vor. Ich muss bemüht sein, den Gesamteindruck des Originals in der Kunst-Reproduktion wiederzugeben, etwas von seiner Seele. Gelingt mir das, habe ich die Sympathie des Katalogbetrachters auf meiner Seite. Ein Kompromiss bleibt es alleweil, sonst müsste man sich ja nicht mehr selber zum Original ins Museum bemühen.
Ausstellungsmacher schätzen die direkte Zusammenarbeit mit dem Lithografen, das Gespräch beim Farbabgleich, die Möglichkeit von Feinkorrekturen. Die Originale für eine Ausstellung kommen oft aus allen Himmelsrichtungen und sind in einer präzisen Logistik erfasst, die sich natürlich auch auf die Katalogproduktion auswirkt. Termine müssen eingehalten werden. Manchmal sind wir unschlüssig, ob das Ektachrom wirklich auch dem Original-Gemälde entspricht. Es kann deshalb vorkommen, dass, um Gewissheit zu erlangen, ein Proof zum Vergleichs-Test nach Amerika geschickt werden muss. Der Katalog zur Füssli-Ausstellung 2005 war die erste Inhouse-Produktion, was die Bilddaten anbetreffen. Es waren sehr anspruchsvolle Bilder für den Druck, Bilder mit sehr viel Tiefenzeichnung und grosser Dramaturgie. Alle Beteiligten mussten viel Geduld und Disziplin aufbringen. Nach «The Expanded Eye» sind wir nun mit «Félix Vallotton» an einer weiteren Eigenproduktion, für mich eine sehr wohltuende Herausforderung mit Bildern mit faszinierenden Farbkompositionen. Ich bin überzeugt, dass unserer Katalogsammlung mit diesem Werk ein weiteres Highlight hinzugefügt wird.
Mein internes Serviceangebot hat sich inzwischen vergrössert. Die Presseabteilung will in der Lage sein, kurzfristig Bilddaten zur Verfügung zu stellen und ist zu einem regelmässigen Nutzniesser meines Talents als Fotograf geworden. Die Abteilung für Bildrechte und das Fotoarchiv schätzen die unmittelbare Abrufbarkeit der Bilddaten zur Bearbeitung externen Nachfragen, ebenso wie der Bereich Sponsoring, der seine Dossiers mit möglichst hochwertigem Bildmaterial gestalten will. Denn was in der Kunst zählt, ist der optische Eindruck.
Arthur Faust
