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Kunsthaus Zürich

Grafische Sammlung

Punkten mit Impulsen

Eine Grafische Sammlung im Kunsthaus Zürich? Hand aufs Herz – wie viele Besucher und Besucherinnen des Museums haben schon einmal die Gelegenheit ergriffen und sich an einem Vormittag ein grafisches Blatt von Dieter Roth, eine Zeichnung von John Cage, ein Aquarell von Johann Heinrich Füssli oder das «Cabaret Voltaire» vorlegen lassen? – ein kleines rotes Heft, das weit über Dada Zürich ausstrahlt, weil es über Krieg und Nationen hinweg an die wenigen Unabhängigen erinnert, die nach anderen Idealen leben (Hugo Ball). Dabei bietet der Studiensaal, nur zwei Minuten vom Haupteingang entfernt, auch die Gelegenheit, über Internet, Datenbank und Bibliothek zu vielen Sammlungen dieser Welt Verbindung aufzunehmen, das Gesehene zu vergleichen und sich über die unkomplizierte Atmosphäre im Umgang mit den beiden Konservatoren Mirjam Varadinis und Bernhard von Waldkirch und dem technisch-administrativen Mitarbeiter Armin Simon zu freuen. Der Punkt, an dem wir uns heute befinden, ist Übergang auf einer langen Reise, die vor ziemlich genau 215 Jahren begann, als sich eine Gruppe befreundeter Kunstdilettanten vereinigte und sieben Jahre später das erste Malerbuch gründete. Wer hätte damals gedacht, dass aus ein paar flüchtigen Skizzen ohne Sammlungskonzept ein zwanzigbändiges Buchmuseum und daraus wieder die stattliche Sammlung des heutigen Kunsthauses hervorgehen würde. Genau das macht aber den Reiz der Grafischen Sammlung aus. Die Entwicklungslinien verlieren sich bisweilen im aufgelösten Haar der lächelnden Fortuna und kehren mit jedem Strich, vor dem man innehält, zu ihrem Ursprung zurück. Die frisch in ihr Amt getretene Konservatorin nimmt die Linie der Gegenwartskunst wieder auf, eine Tradition dieses Hauses, auf die sie bestens vorbereitet ist. «Die Zeichnung ist alles!» Als Plastiker, Maler, Zeichner und Grafiker wusste Alberto Giacometti, wovon er spricht. Grosse Kunst behält die Möglichkeit des Scheiterns stets im Blickfeld, macht sie sichtbar im Verzeichnen; was sich einprägt, ist der Impuls, der die Oberfläche aufweicht, die Welt (von morgen?) neu entwirft.

Von links nach rechts: Bernhard von Waldkirch, Monique Meyer, Mirjam Varadinis, Armin Simon.
Foto © Markus Bühler-Rasom
Von links nach rechts: Bernhard von Waldkirch, Monique Meyer, Mirjam Varadinis, Armin Simon.
Foto © Markus Bühler-Rasom