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Kunsthaus Zürich

Registrar Sammlung

Seit Gründung der Zürcher Kunstgesellschaft im Jahr 1787 sind viele Werke durch unsere Pforte getragen worden. Über 3800 Gemälde und Skulpturen – nicht mitgezählt sind die Werke aus der Photo-, Dada-, Video- und Grafischen Sammlung – sind bis heute aufgenommen und dokumentiert. Ob Ankäufe, Geschenke oder Dauerleihgaben, jedes Objekt erhält eine Inventarnummer und wird mit Etiketten am Werk sowie am Bilderrahmen beschriftet. Dann wird ein Inventarbogen angefertigt. Er enthält Künstlername, Titel, Entstehungsjahr, Massangaben, Herkunftsnachweise, Literaturerwähnungen sowie eine fotografische Abbildung zur Identifikation. Schliesslich werden sämtliche Werke in ein grosses Inventarbuch eingetragen, digital erfasst und im Computer gesichert.

Als Registrarin im Kunsthaus bin ich auch für den Leihverkehr zuständig. Da es der Aufmerksamkeit externer Ausstellungsorganisatoren nicht entgangen ist, dass in Zürich das kleinere oder grössere Meisterwerk hängt, erhalten wir jährlich über 150 Leihgesuche aus allen Himmelsrichtungen. Oft werden mehrere Werke gleichzeitig angefragt oder ganze Werkgruppen. Jedes dieser Leihgesuche bringt einen Stein ins Rollen. Zuerst werden die Werke von unseren Restauratoren auf ihren Zustand (Konservierungsgrad, Transportfähigkeit) geprüft. Ist ein Objekt fragil, wird eine Kurierbegleitung empfohlen oder das Leihgesuch abgelehnt. Ein zweites Prüfkriterium ist das Ausstellungsinstitut selbst. Genügen die Sicherheitsstandards? Sind die klimatischen Gegebenheiten ideal? Wenn diese Fragen geklärt sind, entscheidet die Direktion über die Leihgabe. Sind die Vertragsbedingungen akzeptiert, beginnt die eigentliche Arbeit. Unsere Kollegen des technischen Dienstes müssen sich ziemlich bald mit der Verpackung des Werkes auseinandersetzen. Gefragt sind dann die Aussenmasse des Gemäldes und wie das Innenleben einer klimatisierten Transportkiste, insbesondere für Skulpturen, beschaffen sein soll. Meistens lassen wir vom Spediteur Leihkisten anliefern, deren Inneneinrichtung dann dem Gegenstand entsprechend angepasst wird. Grafiken erhalten zum Schutz ein Passepartout und werden gerahmt, bevor sie in den Kisten verschwinden. Dank der Vorkehrungen sind Beschädigungen äusserst selten. Trotzdem wird jedes Objekt versichert, bevor es unser Museum verlässt, um ein anderes Publikum zu erfreuen. Sobald die Werke ans Kunsthaus zurückkehren, werden sie eingehend begutachtet und, wenn es keine Veränderungen gegeben hat, zurück in die Sammlung oder ins Depot gebracht.

Ein aktueller Glücksfall für Leihnehmer wie Leihgeber: Mit der letzten Umbauetappe im Altbau mussten wir auch die Giacometti-Räume leeren, und so hat die Alberto Giacometti-Stiftung beschlossen, eine Leihanfrage aus dem Szépmüvészeti Muzeum in Budapest mit rund 60 Werken aus der Stiftung zu berücksichtigen. Die Ausstellung dort ist von einem breiten Publikum mit Begeisterung aufgenommen worden. Bald wird die Werksammlung der Zürcher Alberto Giacometti-Stiftung wachsen, denn die Erbrechtsprobleme zwischen der Giacometti-Stiftung in Paris und dem französischen Staat konnten nach über 30 Jahren endlich gelöst werden. Dank der grosszügigen Schenkung von Bruno und Odette Giacometti, dem Bruder und der Schwägerin des Künstlers, dürfen wir eine beachtliche Anzahl Bronzen und Gipse 2005 bei uns präsentieren. Dann werde ich mit der Inventarisierung intensiv beschäftigt sein…

Karin Marti
Registrar Sammlung
Foto © 2002 Markus Bühler, Lookat
Karin Marti
Registrar Sammlung
Foto © 2002 Markus Bühler, Lookat