http://www.kunsthaus.ch/de/sammlung/fotosammlung/beat-streuli/?redirect_url=title%3DRessources%2F%2Ferrors.php%3Ferror%3D

Kunsthaus Zürich

Beat Streuli

Der einzelne Mensch in der Masse der grossen Städte ist seit Poe und Baudelaire ein zentrales Thema moderner Kunst. Seit mehr als einem Jahrzehnt taucht der Blick von Beat Streulis Kamera in die Ströme der Passanten in westlichen Metropolen ein. Streuli fotografiert aus der Entfernung mit dem Teleobjektiv. Doch seine Porträts von Zeitgenossen, herausgegriffen aus den anonymen Fussgängerströmen, haben nichts Heimliches oder Voyeuristisches. Die Menschen werden herausgestellt, aber nicht blossgestellt, denn die Distanz ist gegenseitig. Die Distanz und die Diskretion des Fotografen entsprechen der eigenartigen traumverlorenen Wachsamkeit, mit der sich Fussgänger in den grossen Städten aneinander vorbei bewegen. Sie taxieren sich gegenseitig flüchtig, aber die kurze Dauer der Blicke lässt keine Indiskretion zu, so intensiv diese sein mögen. Jeder wird, wie in Streulis Arbeiten, in kürzester Zeit von den Blicken vieler vielfach gestreift, doch niemand fühlt oder verhält sich, als werde er gemustert. Das Medium der Diaprojektion erlaubt es Streuli, sein Thema zusätzlich durch Raum und Bewegung zu unterstützen: Die Überblendung nimmt das kontinuierliche Schweifen von Aufmerksamkeit und Ablenkung auf; wie Lichtreflexe auf den Kämmen der Passantenwogen scheinen einzelne Gesichter im grellen Sonnenlicht vor dem Dunkel der Fassaden auf, gebannt vom Scheinwerferkegel des eigenen Blicks, still, in sich gekehrt, taub für den Lärm der Grossstadt.

Beat Streuli (1957)
Oxford Street, 1997
Endlos-Diainstallation, dreiteilig, 373 Einzeldias, 38 Minuten
Kunsthaus Zürich
Beat Streuli (1957)
Oxford Street, 1997
Endlos-Diainstallation, dreiteilig, 373 Einzeldias, 38 Minuten
Kunsthaus Zürich