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Kunsthaus Zürich

Maurizio Cattelan

Maurizio Cattelan machte mit vielschichtigen Eulenspiegeleien, mit Kunstwerken, deren präzise Platzierungen im Kunstbetrieb im Grunde Aktionen waren, welche der Kunst Streiche spielten, in den 90er Jahren eine internationale Karriere. Hinter der Maske des listigen Witzbolds und abgeklärten Ironikers steckt allerdings ein tiefmoralischer Künstler, der auch vor der eigenen vanitas nicht halt macht und nicht nur in der formalen Eleganz sondern ebenso in einer tiefkatholischen Todesfurcht eine grosse italienische Kunsttradition in die Gegenwart führt. Die Fotografie «Hollywood» beschäftigt sich, dem Motiv entsprechend, damit, wie der Schein auf vielfache Weise täuschen kann. Denn im Kinoleinwandformat präsentiert sich, wie man rasch erkennt, nicht das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt des Scheins und des eitlen Traums, sondern eine vom Künstler auf einem Hügel über Palermo aufgebaute exakte Kopie desselben. Die Fotografie dokumentiert mithin zunächst eine Installation. Eigentlich aber hält sie eine Aktion fest. Denn bei dem Trupp, den man in der sizilianischen Hitze einer Bussprozession ähnlich den Hügel heransteigen sieht, handelt es sich um ausgewählte internationale Kunstweltprominenz. Diese Sammler, Kuratoren, Händler und Kritiker liess Cattelan während der Biennale von Venedig 2001 zu einem exklusiven Cocktail zwecks Erstbesichtigung des Hollywood Schriftzugs nach Palermo einfliegen – um sie auf seiner Fotografie als Opfer seiner Rattenfängerei, als Opfer ihrer Sucht nach Glanz und Glamour, als Statisten ihrer eigenen Schein- und Traumwelt vorzuführen.

Maurizio Cattelan
Hollywood, 2001
Farbphotographie gerahmt (Plexiglas), 180 x 400 cm
Kunsthaus Zürich
© 2002 Maurizio Cattelan
Maurizio Cattelan
Hollywood, 2001
Farbphotographie gerahmt (Plexiglas), 180 x 400 cm
Kunsthaus Zürich
© 2002 Maurizio Cattelan