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Kunsthaus Zürich

«Musik auf der Karl Johan Strasse»
von Edvard Munch

Edvard Munch
Musik auf der Karl Johan Strasse, 1889
Öl auf Leinwand, 101,5 x 140,5 cm
© Kunsthaus Zürich, ProLitteris, Zürich
Edvard Munch
Musik auf der Karl Johan Strasse, 1889
Öl auf Leinwand, 101,5 x 140,5 cm
© Kunsthaus Zürich, ProLitteris, Zürich

Curt Glaser, Direktor der Kunstbibliothek Berlin und zugleich am dortigen Kupferstich-Kabinett tätig, verfasste die erste deutsche Monographie über Edvard Munch und war Kunsthaus-Direktor Wilhelm Wartmann in der gemeinsamen Hochschätzung des Norwegers seit den frühen zwanziger Jahren kollegial verbunden. Bereits in den späten Zwanziger Jahren begann der vielseitig interessierte Kunsthistoriker Gemälde Munchs wieder zu verkaufen. Als er in die Schweiz emigrierte, deponierte er einen Teil seiner Sammlung im Kunsthaus.
Die «Musik auf der Karl Johan Strasse»(1889) schenkte Glaser Anfang 1933 der Berliner Nationalgalerie zur Erinnerung an seine erste Gemahlin. Da die vereinbarten Verpflichtungen unter den Nazis nicht eingehalten wurden, forderte er das Bild zurück und 1939 wurde es ihm ins Kunsthaus geschickt. 1941 erkundigte sich Wartmann bei Glaser kurz vor dessen Übersiedlung nach Amerika, ob er die «Musik auf der Karl Johan Strasse» allenfalls dem Kunsthaus verkaufen würde. Die Preisfindung war nicht einfach; Glaser, interessiert an der Platzierung in einem Museum, nannte den Betrag von CHF 15'000, den er einst selbst bezahlt hatte. Inzwischen aber hatte sich das Marktumfeld stark verschlechtert und man einigte sich auf einen um 20% reduzierten Preis. Wie eingehende Recherchen in Zusammenarbeit mit dem Munch Museum in Oslo ergaben, entsprach der bezahlte Betrag durchaus den damals üblichen Marktwert. Die erhaltene Korrespondenz der beiden Kollegen zeigt, mit wieviel Umsicht und Respekt diese Erwerbung behandelt wurde.
Glaser verkaufte dem Kunsthaus zwei Jahre später ein weiteres Gemälde von Munch, seine Witwe nach dem Krieg noch zwei weitere.