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Kunsthaus Zürich

Antoine Bourdelle «Sappho» 1887/1925

Fortschrittsbericht November 2013

TECHNIK UND HERSTELLUNG DER BRONZE

Bei Bourdelles Bronzeplastik «Sappho» handelt es sich um einen Sandguss der Pariser Giesserei Alexis Rudier aus dem Jahre 1925. Sie wurde in mehreren Teilen gegossen, die mittels ganz unterschiedlicher Verbindungstechniken zusammengesetzt wurden. So konnte im Laufe der endoskopischen Untersuchungen im Mittelteil innen eine Schraubverbindung festgestellt werden (siehe Abbildung 1). Die angesetzten Arme sind teilweise überlappend (mit der übrigen Bronze) und wurden genietet. Äusserlich sind diese Verbindungen durch Hartlötungen und Ziselierarbeiten «unsichtbar» gemacht worden.

DURCHGEFÜHRTE MASSNAHMEN

Nach der Untersuchung der Oberflächenbeschaffenheit begann man mit der vorsichtigen Nassreinigung, um lose aufliegende Verschmutzungen zu entfernen. Verwendet wurden hierfür weiche Kunststoffbürsten, Wasser und ein leichter nichtionischer Tensid-Zusatz. Durch die Benetzung der Oberfläche mit Wasser entsteht eine Tiefenwirkung, die oftmals ein klareres Bild der Oberfläche als im trockenen Zustand wiedergibt. Dadurch war nun auch erkennbar, dass es sich bei den braunen Auflagen um Reste einer Art Grundierungsschicht oder einen Anstrich handeln muss, denn Pinselstriche sind deutlich zu sehen. Zusätzlich konnten auch Reste von golden glänzenden Bereichen auf dieser Schicht ausgemacht werden.

Nach Probenentnahmen wurden diese am SIK – ISEA (Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich) untersucht. Es wurden Querschliffe angefertigt, die eindeutig Reste eine Vergoldung belegen (siehe Abbildung 3 und 4). Auch die Annahme, dass die Vergoldung bereits über die schon jahrzehntelang frei bewitterte Oberfläche aufgetragen wurde, konnte belegt werden. Nach der Analyse handelt es sich um eine Blattvergoldung mit einem organischen Anlegemittel, die ursprünglich die ganze Oberfläche der Skulptur bedeckte. Diese Fassungsreste bleiben als Teil der Geschichte der Plastik erhalten.

Nach weiteren Vorversuchen und der Reinigung mit weichen Bürsten, folgte die Reinigung mit heissem Wasserdampf und leichtem Druck. Damit konnten fester anhaftende Schmutzpartikel und Schadstoffe aus der Luft besser aus der Oberfläche gelöst werden. An Stellen, wie beispielsweise Hinterschneidungen bildeten sich dickere und härtere Sinter- und Schmutzkrusten. Diese konnten nur mechanisch mit dem Skalpell vorsichtig reduziert werden. Damit wurden die Niveauunterschiede der Oberfläche ausgeglichen. Insgesamt waren es jedoch nur wenige Flächen, die so bearbeitet wurden. Die grün korrodierten Bereiche wurden bei der Oberflächenreinigung mechanisch nicht bearbeitet, da man sich dort wegen der Verwitterung schon unter dem «originalen» Oberflächenniveau befindet.

Abb. 1: Innere Verschraubung mit rostigen Schrauben (Aufnahme mit dem Endoskop).
Abb. 1: Innere Verschraubung mit rostigen Schrauben (Aufnahme mit dem Endoskop).
Abb. 2: Reste der goldenen Fassung, Detailaufnahme.
Abb. 2: Reste der goldenen Fassung, Detailaufnahme.
Abb. 3: Aufsicht einer Probe mit Resten einer Vergoldung
Abb. SIK/ISEA Zürich
Abb. 3: Aufsicht einer Probe mit Resten einer Vergoldung
Abb. SIK/ISEA Zürich
Abb. 4: Querschliff der Probe mit Vergoldung
Abb. SIK/ISEA Zürich
Abb. 4: Querschliff der Probe mit Vergoldung
Abb. SIK/ISEA Zürich