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Kunsthaus Zürich

Dadaismus
Digitalisierungs- und Restaurierungsprojekt

Als legendäre antikriegerische Kunstbewegung spielt Dada eine grundlegende Rolle in der Kulturgeschichte der Stadt Zürich. Die Bewegung hatte ihren Ursprung im Februar 1916 im Cabaret Voltaire in Zürich, in einer Zeit also, in der die Nationen Europas sich im unerbittlichen Kampf des ersten Weltkrieges befanden. Viele Intellektuelle, Künstler, Kriegsgegner, Revolutionäre und politisch Verfolgte waren darum auf der Flucht und fanden zeitweilig Exil in der Schweiz. Besonders Zürich wurde dadurch zu einem Zufluchtsort der europäischen Avantgarde und zu einem internationalen Begegnungsort des produktiven Austausches, bevor sich Dada nach dem ersten Weltkrieg in alle Windrichtungen nach Berlin, Paris und New York ausbreitete und im Verlauf der 1920er Jahre sukzessive von anderen Kunstströmungen abgelöst wurde.

Es handelt sich um eine Kunstbewegung, die trotz historischer Eckdaten nie an Anziehungskraft verloren hat, sondern immer von Neuem von Künstlern und dem Publikum wiederentdeckt worden ist. Dada zählt heute zu den wenigen internationalen Strömungen der Kunstgeschichte, die Zürich hervorgebracht hat, und feiert 2016 seinen 100. Geburtstag. Zahlreiche Institutionen der Stadt und so auch das Kunsthaus Zürich nahmen dieses Ereignis zum Anlass, um diesen wichtigen Beitrag zur Kunst des 20. Jahrhunderts zu untersuchen und unter aktuellen Vorzeichen zu würdigen.

DIGITALISIERUNG DER ARBEITEN AUF PAPIER
In allen Sammlungsbereichen des Kunsthaus Zürich gibt es dadaistische Werke: in der Sammlung der Gemälde und Skulpturen, der Grafischen Sammlung, der Fotosammlung und in der Bibliothek. Der Dada-Bestand der Grafischen Sammlung sowie der Bibliothek enthält Arbeiten auf Papier, Briefe, Bücher, Zeitschriften, Flugblätter, Plakate, Manuskripte und Fotografien. Aus aktuellem Anlass wurden diese weit über 600 Stücke der Sammlung Dadaismus vor dem Hintergrund wissenschaftlicher und konservatorischer Überlegungen vom Dadaismus-Experten Raimund Meyer in enger Zusammenarbeit mit der Restauratorin Jean Rosston und der Kuratorin Cathérine Hug neu begutachtet, um sie dem Prozess einer umfangreichen Digitalisierung zu unterziehen. Dieses Projekt steht in der Fortsetzung der wichtigen Grundlagenarbeit, die mit «Dada in Zürich» (Hans Bolliger, Guido Magnaguagno und Raimund Meyer, Sammlungsheft 11, 1985) und «Dada global» (Raimund Meyer, Judith Hossli, Guido Magnaguagno, Juri Steiner und Hans Bolliger, Sammlungsheft 18, 1994) am Kunsthaus Zürich durchgeführt worden ist.

Die Digitalisierung durch aktuelle Scan-Technologie mit höchster Fachkompetenz dient zum einen der Bekanntmachung der Sammlung Dadaismus des Kunsthaus Zürich im virtuellen Zeitalter und zum anderen – mindestens so bedeutsam – dem Schutz der Werke selbst. Alle digitalisierten Werke können unter «Sammlungen online» komfortabel genutzt werden. Die technische Umsetzung erfolgte in Kooperation mit dem Digitalisierungszentrum der Zentralbibliothek Zürich.

RESTAURIERUNG AUSGEWÄHLTER WERKE
Die digitale Bilderfassung des kompletten Dada-Bestandes im Besitz des Kunsthaus Zürich brachte es mit sich, dass jedes einzelne Objekt auf dem aktuellsten Stand konservatorisch begutachtet werden konnte. Dadurch ergab sich die Möglichkeit, restauratorische Massnahmen neu einzuschätzen und konkret einzuleiten. Wegen der schlechten Papierqualität, die sich u. a. durch Brüchigkeit und Verfärbung des Materials äussert, sind die meisten Originale ausgesprochen fragil (vgl. Abbildungen 1 bis 4). Die Benutzung ist daher eingeschränkt und in einigen kritischen Fällen gar nicht mehr möglich. Highlights der Sammlung Dadaismus, die im internationalen Leihverkehr sehr gefragt sind, aber auch ausgewählte Trouvaillen wurden im Verlauf der letzten Monate restauratorisch wieder in Stand gesetzt, damit sie dem Ausstellungsbetrieb weiterhin zugänglich bleiben. 

Das Projekt konnte dank Unterstützung der Ernst Göhner Stiftung, der Helvetia Versicherungen und des Bundesamtes für Kultur BAK realisiert werden.

Abb. 1
«Erste Internationale Dada Messe. Ausstellung und Verkauf dadaistischer Erzeugnisse», Kunsthandlung Dr. Otto Burchard, Berlin 1920. Kunsthaus Zürich Inv.-Nr. DADA IV:12 Expl. 2
Abb. 1
«Erste Internationale Dada Messe. Ausstellung und Verkauf dadaistischer Erzeugnisse», Kunsthandlung Dr. Otto Burchard, Berlin 1920. Kunsthaus Zürich Inv.-Nr. DADA IV:12 Expl. 2
Abb. 2
«Erste Internationale Dada Messe. Ausstellung und Verkauf dadaistischer Erzeugnisse», Kunsthandlung Dr. Otto Burchard, Berlin 1920. Kunsthaus Zürich Inv.-Nr. DADA IV:12 Expl. 2
Abb. 2
«Erste Internationale Dada Messe. Ausstellung und Verkauf dadaistischer Erzeugnisse», Kunsthandlung Dr. Otto Burchard, Berlin 1920. Kunsthaus Zürich Inv.-Nr. DADA IV:12 Expl. 2
Abb. 3
Kurt Schwitters, Käte Steinitz und Theo van Doesburg, «Die Scheuche. Märchen», Hannover 1925. Kunsthaus Zürich Inv.-Nr. DADA I:94
Abb. 3
Kurt Schwitters, Käte Steinitz und Theo van Doesburg, «Die Scheuche. Märchen», Hannover 1925. Kunsthaus Zürich Inv.-Nr. DADA I:94
Abb. 4
Kurt Schwitters, Käte Steinitz und Theo van Doesburg, «Die Scheuche. Märchen», Hannover 1925. Kunsthaus Zürich Inv.-Nr. DADA I:94
Abb. 4
Kurt Schwitters, Käte Steinitz und Theo van Doesburg, «Die Scheuche. Märchen», Hannover 1925. Kunsthaus Zürich Inv.-Nr. DADA I:94