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Kunsthaus Zürich

Der Digitalisierungsprozess vor dem Hintergrund
restauratorischer Herausforderungen

Zwischen Januar und Oktober 2015 wurden insgesamt 473 Dada Werke gescannt - einzelne Blätter, mehrseitige Broschüren und Bücher sowie 62 Zeichnungen und Grafiken, die Teil der Grafischen Sammlung und der Bibliothek am Kunsthaus sind.

Zunächst wurden die Kunstwerke einzeln geprüft. Wo relevant, wurde anschliessend nicht nur die Vorder- sondern auch die Rückseite gescannt. Denn nicht selten finden sich dort nämlich kunsthistorisch und materialtechnisch aufschlussreiche Spuren: Annotationen des Künstlers, zusätzliche Zeichnungen, Anmerkungen und Verweise, Skizzen, Bezeichnungen, Stempel, alte Nummern oder Signaturen.

Kunstwerke, die weder gebunden noch gerahmt vorlagen, sondern nur lose in Mappen abgelegt oder von einem Passepartout gefasst, konnten der Digitalisierung schneller zugeführt werden: alte Montagen wurden teilweise abgelöst, damit das Blatt auf dem Scannerbett möglichst eben auflag. Dort, wo die abgelösten Einfassungen Spuren auf dem Kunstwerk hinterlassen, mussten die Werke nachträglich restauratorisch bearbeitet werden. Befestigungen (sogenannte Montagen) und Passepartouts wurden ergänzt, verbessert oder ersetzt. Sie dienen dem Schutz der Werke und sollten vermeiden, dass sich die Oberfläche des künstlerisch gestalteten Blattes und das allenfalls vorgesetzte Glas oder ein schützender Karton berühren. Manche alte und bedeutende Rahmen wurden konserviert. Historische Befestigungshilfen blieben teilweise erhalten oder wurden in neue integriert. Es mussten schmale, alte Rahmen von hinten etwas aufgebaut werden, um die neue, archiv-beständige Montage darin einzupassen. Gleichzeitig wurden alte Verglasungen aus zerkratztem oder einfachem Glas ausgewechselt und mit einem zeitgemässen «Optium» Acrylglas ersetzt. Dieses zeichnet sich durch mehrere Vorteile aus: es ist entspiegelt, anti-statisch, enthält einen hohen Schutzfaktor vor ultravioletter Lichtstrahlung und wiegt deutlich weniger als Verbundsicherheitsglas. Dabei ist es genauso sicher und erlaubt zur Freude der Besucher eine deutlich nähere und von störenden Reflexionen freie Betrachtung des Kunstwerkes in einer Ausstellung.

Ob bei Berührungen und dem Wenden vor Ort oder dem Transport – immer ist grösste Sorgfalt geboten. Auch die klimatischen Gegebenheiten müssen stimmen – ein bestimmter Grad an Luftfeuchtigkeit und gleichbleibende Temperaturen.

Restauratorin Jean Rosston beim Ausrahmen eines Werkes
Foto: Kunsthaus Zürich
Restauratorin Jean Rosston beim Ausrahmen eines Werkes
Foto: Kunsthaus Zürich
Eingescannte Collage (1919) von Hans Arp
Foto: Kunsthaus Zürich
Werk © 2015 ProLitteris, Zürich
Eingescannte Collage (1919) von Hans Arp
Foto: Kunsthaus Zürich
Werk © 2015 ProLitteris, Zürich