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Kunsthaus Zürich

Fischli / Weiss: «Falsche Götzen»

Konservierungsprojekt

Die «Falschen Götzen» sind Teil der «Fieber»-Serie des Künstlerduos Fischli/Weiss, welche zwischen 1983 und 1984 entstand. Die ca. 25 grossformatigen, raumgreifenden Skulpturen wurden in zwei Etappen für Ausstellungen in der Kölner Galerie Monika Sprüth (1983) und in der Pariser Galerie Crousel-Hussenot (1984) geschaffen. Der Ankauf des vorliegenden Werkes erfolgte 1984 durch die Zürcher Kunstfreunde, kurz nach dessen erster Präsentation in Paris. Von den anderen Werken der Serie befinden sich heute einige in privaten oder öffentlichen Sammlungen oder sind im Besitz der Künstler selbst. Andere existieren bereits nicht mehr.

Die «Falschen Götzen» wurden im Kunsthaus erst ein einziges Mal ausgestellt. Die fragile Skulptur weist einige Schäden auf, die primär auf Transport und Handling zurückzuführen sind. Im Rahmen des Installationsprojektes, das noch bis Mai 2019 in der Sammlung des Kunsthauses läuft, wird sie –zeitweise vor den Augen des Publikums – konservatorisch analysiert, behandelt und dann ausgestellt.

In Stein gemeisselt?
Was auf den ersten Blick wie Stein aussieht, ist in Wirklichkeit Polyurethan. Dieser kommt vor allem im Baugewerbe zum Einsatz und dient dort als Dämmschutz. Als Material für eine Skulptur ist er eher ungewöhnlich. Mit einer hohen Lichtempfindlichkeit erweist sich der Schaumstoff als alterungsfreudig und druckempfindlich, wodurch jegliches Handling ein gewisses Risiko birgt, das Werk zu beschädigen.

Massnahmen – was und wie?
Neben Massnahmen wie der Reinigung, der Konsolidierung, dem Kitten und Retuschieren von Fehlstellen, besteht ein essentieller Teil des Projektes darin, das Handling und die bestehende Verpackung zu optimieren, um das Werk vor weiterer Beschädigung zu bewahren.
Bei der Suche nach den geeigneten Materialen und Methoden bietet die Forschung Anhaltspunkte. Diese basiert allerdings vor allem auf dem seit den 1960er Jahren von zahlreichen Künstlern verwendeten Polyurethan-Weichschaumstoff. Da es sich bei den «Falschen Götzen» allerdings um Hartschaumstoff handelt, können die Erfahrungswerte nicht 1:1 herangezogen werden. Es sind also zunächst einige Vorversuche von Nöten. Um diese nicht am Werk selbst durchführen zu müssen, nutzt die Restauratorin ein Stück Schaumstoff mit ähnlicher Beschaffenheit.
Für ein optimales Reinigungsergebnis werden die Verschmutzungen durch Trockenreinigung mithilfe eines Ziegenhaarpinsels, sanfter Druckluft und einem Museumssauger aus der Tiefenstruktur herausgelöst. So kann der Grauschleier entfernt und die Farbwirkung verbessert werden.
Zum anderen muss für die Behandlung der Risse ein geeignetes Füllmaterial gefunden werden, das wiederbearbeitbar und möglichst alterungsstabil ist – keine einfache Aufgabe bei einem solch druck- und lösemittelempfindlichen Material. Malschichtverluste müssen gefestigt und gegebenenfalls retuschiert werden. Hierbei ist zu beachten, dass die Farbe nicht nur für die Ästhetik von Bedeutung ist, sondern das Material zudem schützt.

Schaulabor
Die verantwortliche Restauratorin Stefanie Bründler erläutert ihre Arbeit vor Ort und publiziert neu gewonnen Erkenntnisse auf Informationstafeln. Immer dientags zwischen 10.30 und 15.30 Uhr im Erdgeschoss der Sammlung. Von 20. November 2018 bis 15. Januar 2019

Restauratorinnen: Stefanie Bründler / Kerstin Mürer
Unterstützt von: Ernst Göhner Stiftung

Im Restaurierungsatelier
Peter Fischli / David Weiss, Falsche Götzen, 1983
Polyurethan, 131 x 160 x 134 cm 
Kunsthaus Zürich, Vereinigung Zürcher Kunstfreunde, 1984
Im Restaurierungsatelier
Peter Fischli / David Weiss, Falsche Götzen, 1983
Polyurethan, 131 x 160 x 134 cm
Kunsthaus Zürich, Vereinigung Zürcher Kunstfreunde, 1984