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Kunsthaus Zürich

Fortschrittsbericht
April 2012 - April 2013

Weiterführende Untersuchungen und Kolloquium zum Thema «Ästhetische Interventionen an den Giacometti Gipsen»

Der Juni begann mit einem Highlight: Das Team besuchte Paris, Alberto Giacomettis zweite Heimat. Am ersten Tag führte Inhaber Hubert Lacroix durch die Fonderie Susse. Ab 1953 bevorzugte Giacometti diese berühmte Gießerei für das Abgiessen seiner Bronzen. Wir hatten Glück noch einmal diesen historischen Ort besuchen zu dürfen, denn kurz nach unserem Besuch zog die Giesserei aus ihren traditionsreichen Gemäuern aus.

Den zweiten und dritten Tag widmete das Team dem Besuch der Fondation Alberto et Annette Giacometti. An diesem Ort lagern neben weiteren Werken vor allem die für die Giacometti Forschung so wichtigen Quellen in Form von Briefen, Rechnungen und Fotos. Viele der bis anhin ungeklärten Fragen oder Vermutungen konnten während des Besuchs mit Direktorin Véronique Wiesinger diskutiert und zumindest teilweise geklärt werden. Das Team kehrte mit vielen neuen Erkenntnissen und Eindrücken nach Zürich zurück, wo es sich weiter der Erfassung und Erforschung der Gipse widmete.

Im September begann dann die wissenschaftliche Auswertung der in den vergangenen zwei Jahren gewonnenen Fakten und Erkenntnisse, die es in einer kleinen Ausstellung zu präsentieren galt. Diese Präsentation sollte gleichermaßen Fachpublikum wie Laien ansprechen. Neben den Informationen zu technologischen Er¬kenntnissen sollte mit der Ausstellung auch ein Diskussionsforum geschaffen werden, welches die Entscheidungsgrundlage für den zweiten, praktischen Teil des Projekts bildet.

Bis heute liegt dem Restauratoren-Team ein reichhaltiger Spuren- und Material¬schatz von über 70 untersuchten Gipsen vor. Bei Klärung von Fragen zu Herstel¬lung, Funktion und Geschichte der Gipse spielte dieser eine wichtige Rolle. In fast allen diesen Fällen ist nun klar, wie die Gipse entstanden sind und weiterverwendet wurden. Darüber hinaus lassen sich nun viele technische Vorlieben bei der Herstellung nachvollziehen, die entweder Alberto selbst, seinem Bruder Diego, (der vor allem die Abformungen vom Tonmodell herstellte) oder einer der Giessereien zuzuordnen sind.

Auf Postern wurden ab Anfang Oktober diese und weitere Erkenntnisse zu Arbeitsweisen des Künstlers, der weiteren Verwendung der Gipse, zu Materialbestimmung und Röntgenuntersuchungen zusammen mit gut ein Dutzend Gipsskulpturen präsentiert. Diese gelungene Präsentation fand so viel Anklang, dass sie nach ihrer offiziellen Beendigung Ende Februar, erneut an anderer Stelle im Kunsthaus wieder aufgebaut wurde und bis heute zu sehen ist.

Kurz nach der Eröffnung der Ausstellung widmete sich das Team einer weiteren wichtigen konzeptionellen Aufgabe und ihrer Umsetzung: Der Organisation eines Kolloquiums mit dem Ziel, einem Fachgremium die wichtigsten Ergebnisse und das Restaurierungskonzept vorzustellen. Unser Hauptanliegen war dabei, den Entscheidungsprozess nachvollziehbar und transparent zu machen.

Am 25. Februar 2013 eröffnete Kunsthaus Direktor Christoph Becker das Giacometti-Kolloquium. Zur Freude aller hatten sich gut 20 Spezialisten aus Europa eingefunden. So konnten Fachkollegen und Kunsthistoriker aus der Schweiz, Italien und Frankreich sowie die Pariser Giacometti-Stiftung begrüsst werden. Ein PowerPoint Vortrag jeweils am Morgen und am Nachmittag informierte die Teilnehmer über den Stand der Forschung und das weitere Vorgehen. Die anschließenden Diskussionen wurden leidenschaftlich aber konstruktiv geführt. Der ganze Tag wurde via Film aufgenommen und wird Teil der Dokumentation zum Projekt werden.

Die Anregungen dieses wichtigen und sehr interessanten Tages flossen im Anschluss in das Restaurierungskonzept ein, welches im April von der Giacometti-Stiftung in Zürich als gut befunden und damit freigegeben wurde.

Dank dieser breit abgestützten Vorgehensweise kann nun mit grossem Rückhalt mit der moderaten Konservierung und Restaurierung der Gipse begonnen werden.

Abb. 1: Besuch der Giesserei Susse, Paris 
© 2012 Kunsthaus Zürich
Abb. 1: Besuch der Giesserei Susse, Paris
© 2012 Kunsthaus Zürich
Abb. 2:
Die Gips-Projekt Ausstellung an ihrem derzeitigen Ort
© 2012 Kunsthaus Zürich
Abb. 2:
Die Gips-Projekt Ausstellung an ihrem derzeitigen Ort
© 2012 Kunsthaus Zürich
Abb. 3:
Tobias Haupt während seines Vortrags am Nachmittag
© 2013 Roy Oppenheim
Abb. 3:
Tobias Haupt während seines Vortrags am Nachmittag
© 2013 Roy Oppenheim
Abb. 4:
Blick ins Publikum während einer der Diskussionen.
© 2013 Roy Oppenheim
Abb. 4:
Blick ins Publikum während einer der Diskussionen.
© 2013 Roy Oppenheim