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Kunsthaus Zürich

Kittung und Retusche

Nach der Übermalungsabnahme zeigte sich, dass es etliche kleine Bereiche gibt, wo die originale Malerei verloren gegangen ist. Diese finden sich vor allem in den Randzonen, aber auch im Bildmittelgrund. Deutlich zeigte sich, dass die meisten dieser Verluste durch die Abnahme von der Wand in den späten 50er Jahren verursacht wurden. So gibt es in der oberen Plattenreihe fast durchgehend Bereiche, wo das Original eine Bruchkante mit Fehlstellen aufweist.
 
Die Abnahme der Übermalung hatte zudem auf einigen Platten massive Verfärbungen aufgedeckt (s. Gesamtansicht). Sie sind zum einen als ganzflächige Verdunklungen mit deutlichem Gelbstich erkennbar, zum anderen bilden sie ein gitterartiges, bräunliches Raster. Verschiedene naturwissenschaftliche Untersuchungen lassen den Schluss zu, dass der Ursprung beider Phänomene mit grösster Wahrscheinlichkeit auf das vergilbte Bindemittel der Übermalung zurückzuführen ist.

Gesamtansicht Platte 8 nach Übermalungsabnahme.
Gesamtansicht Platte 8 nach Übermalungsabnahme.

Bevor die Fehlstellen farblich in ihre Umgebung integriert werden konnten, mussten sie auf Niveau gekittet und der umgebenden Oberflächentextur entsprechend strukturiert werden.
Gekittet wurde mit einem Leim-Kreide-Kit, der mit einem Spachtel in den Bereich der Fehlstelle eingebracht wurde. Die Kittungen wurden zunächst dem Niveau der intakten Farbschicht angepasst und geglättet. Anschliessend wurde mit einem Pinsel eine leichte Struktur aufgesetzt, um die Fehlstelle ihrer Umgebung optimal anzupassen.

Da die Fehlstellen in einem nächsten Schritt mit wasserlöslichen Farben retuschiert werden sollten, versiegelte man die Kittungen mit einer dünnen Schicht aus Acrylfarbe. Dadurch kann verhindert werden, dass bei einer allfälligen späteren Abnahme der Retuschen die Kittungen mit angelöst werden.

Fehlstellen nach Übermalungsabnahme, unstrukturiert
Fehlstellen nach Übermalungsabnahme, unstrukturiert

Die Retusche erfolgte zunächst mit Gouachefarben. Diese wurden anstelle von Ölfarben (wie sie dem Original entsprächen) verwendet, weil sie wasserlöslich bleiben. Dem Aspekt der Reversibilität wurde damit Rechnung getragen.

Da sich der Glanzgrad mit Gouachefarben allein aber nicht optimal einstellen lässt, wurden diese Vorretuschen im Anschluss mit wasserlöslichen Buntstiften angepasst. Mit Hilfe der Buntstifte konnte man sich der Farbigkeit und dem Oberflächenglanz der umgebenden Farbschicht stufenweise annähern. Zudem können die Retuschen auch weiterhin mit Feuchtigkeit abgenommen werden, sollten sie sich einmal farblich verändern.

Fehlstelle nach Strukturierung mit Kreide-Kitt
Fehlstelle nach Strukturierung mit Kreide-Kitt
Fehlstelle nach der Vorretusche. Die Abschluss-Lasuren fehlen noch.
Fehlstelle nach der Vorretusche. Die Abschluss-Lasuren fehlen noch.

Für die ganzflächigen und gitterartigen Verfärbungen wurde eine andere Vorgehensweise gewählt: Auf dem blauen Hintergrund wurden die bräunlich gelben Flecken mit Hilfe einer dünnen Buntstiftlasur reduziert. Durch diese leicht transparente Schicht konnte der Farbwert ausreichend ins Blaue verschoben werden, wobei gleichzeitig die Lebendigkeit der Oberfläche erhalten blieb. In den gelben Flächen reichte die Deckkraft der wasserlöslichen Buntstifte nicht aus, um die bräunlichen Streifen zu reduzieren. Die Streifen wurden deshalb erst mit Gouachefarben eingetönt und anschliessend mit Buntstiften angepasst.