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Kunsthaus Zürich

Vorabklärungen

Vorabklärungen mit erfreulichen Erkenntnissen

Querschliff der Malschichten von Platte 16.
Die zwei untersten Schichten gehören wahrscheinlich zur Grundierung der Platte. Gut sichtbar darüber liegt die originale Malerei mit zwei originalen Gelb- und Blauschichten. Die oben aufliegenden graublauen Schichten sind Übermalung. Darüber schlecht zu sehen, der nichtursprüngliche Firnis.
Querschliff der Malschichten von Platte 16.
Die zwei untersten Schichten gehören wahrscheinlich zur Grundierung der Platte. Gut sichtbar darüber liegt die originale Malerei mit zwei originalen Gelb- und Blauschichten. Die oben aufliegenden graublauen Schichten sind Übermalung. Darüber schlecht zu sehen: der nichtursprüngliche Firnis.

Im Fall von Pétales et jardin de la nymphe Ancolie zeigten die naturwissenschaftlichen Analysen, dass sich die Übermalungsschichten bindemitteltechnisch klar vom Original unterscheiden. Die ursprüngliche Malerei besteht aus Ölfarbe, während es sich beim Bindemittel der Übermalung um ein Kunstharz handelt. Auf der gesamten Oberfläche und über der Übermalung befindet sich ein dicker Polyesterharz-Firnis.

Die Übermalungen lassen sich auch durch Betrachtungen unter UV-Licht und Mikroskop erkennen. Querschliffe veranschaulichen den maltechnischen Unterschied. Zudem verifizieren Freilegungsproben diese Angaben: Die Übermalungsschichten und der Firnis lassen sich lösen, das Original bleibt unberührt.







Freilegungsprobe an Platte 3
Linke obere Ecke vor und nach der Abnahme der Übermalung und des Firnis:
Die beschädigten Randbereiche werden sichtbar. Ein Grossteil des zuvor übermalten Originals ist aber intakt und kommt als strahlendes Hellblau zum Vorschein. Die untere Hälfte des Ausschnitts war nicht übermalt aber mit vergrautem Firnis überzogen. Nach Abnahme des Firnisses verbessert sich die Farbigkeit hier ebenfalls deutlich. Auf der rechten unteren Ecke befindet sich noch vergilbter Firnis.
Freilegungsprobe an Platte 3
Linke obere Ecke vor und nach der Abnahme der Übermalung und des Firnis:
Die beschädigten Randbereiche werden sichtbar. Ein Grossteil des zuvor übermalten Originals ist aber intakt und kommt als strahlendes Hellblau zum Vorschein. Die untere Hälfte des Ausschnitts war nicht übermalt aber mit vergrautem Firnis überzogen. Nach Abnahme des Firnisses verbessert sich die Farbigkeit hier ebenfalls deutlich. Auf der rechten unteren Ecke befindet sich noch vergilbter Firnis.

Die wohl wichtigste, aber auch am schwierigsten zu beantwortende Frage war jedoch: Liegt unter der Übermalung noch originale Substanz? Wieder halfen Querschliffe und Freilegungsproben. Das Ergebnis dieser Tests ist vielversprechend, denn es enthüllte, dass die Übermalung in weiten Bereichen intakte Malerei überdeckt. Wie erwartet, finden sich die meisten Fehlstellen am Rand der Platten, dort, wo die Malerei geschnitten wurde.
Ebenso  verblüffend wie der grosse Anteil an originaler Substanz war die Farbigkeit, die unter der Übermalung zum Vorschein kam. Sie ist strahlender und wesentlich heller. Zudem scheinen sich die flächigen Randpartien in der originalen Fassung farblich nicht vom Bildmittelgrund abzusetzen.
Die Beprobung zeigte allerdings auch, dass die untere Plattenreihe aufgrund ihrer Position in der Bar schon vor dem Ausbau stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Verletzungen unter den Übermalungsschichten sind hier zahlreich.