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Kunsthaus Zürich

Technischer Bildaufbau

Technischer Bildaufbau: Material und Herstellungstechnik, Erhaltungszustand

Der Bildträger besteht aus einem dichten, gleichmässig gewebten Leinengewebe in einfacher Leinenbindung. Die Kettfäden verlaufen waagrecht zum Bildformat und sind dünner und dichter als die senkrechten Schussfäden mit dickerer Fadenstärke. Das Bild ist aus einem einzigen Leinwandstück gefertigt, ohne Anstückungen oder Nähte.

Das Spannsystem ist in einem sehr guten Zustand. Es besteht aus einem Keilrahmen mit einer waagrechten und drei senkrechten kurzen Leisten.

Malschicht

Auf eine industriell gefertigte, dünne, weisse Kreide-Leim-Grundierung erfolgte nach einer groben Vorzeichnung der gespachtelte und gepinselte Farbauftrag.
Die verschiedenen Farbfelder hat Robert Delaunay in ein bis zwei Schichten, meist mit 5 bis 8 cm breiten Spachteln aufgetragen. Der Farbauftrag ist meist pastos. Wenige Felder, wie beispielsweise das Blau und Grün, sind dünn mit dem Pinsel angelegt. Häufig sind Partien mit mehreren Farben übereinander aufgebaut.
 
Je nach Farbton ist ein unterschiedliches Ausmaß der Craquelébildung zu beobachten. Auffällig ist diese Erscheinung besonders in den gelben und orangefarbenen Partien auf der rechten Bildseite. Die Schollen heben sich konkav (schüsselförmig) entlang der Ränder von der Grundierung ab. Zudem sind ausgeprägte, bis zu 3 mm breite Schwundrisse im Orange auffällig. In gelben Farbfeldern haben sich Blasen in der Farbschicht gebildet.
Ein besonderes Phänomen der vorliegenden Gemäldeoberfläche ist die Runzelbildung in gelben und orangefarbenen Bereichen. Die Malschicht ist in einigen Partien wurmförmig zusammen gezogenen. Diese Runzeln gehen immer mit einem verbräunten Überzug einher. Es handelt sich dabei jedoch nicht um einen Firnis.

Überzug

Laut Restaurierungsbericht aus dem Jahr 1979, wurde der alte speckige Firnis gedünnt. In Vertiefungen pastoser Farbbereiche sind dicke, verbräunte Firnisreste zu beobachten. An diesen Stellen hat sich zusätzlich Staub angereichert.
Unter der Randverklebung mit Packpapier-Klebestreifen, wie sie in Frankreich üblich sind, ist dagegen kein Firnis festzustellen. Die Farben unter der Randverklebung erscheinen matter und heller, einzig das Rosa ist kräftiger weil es durch den Schutz des Klebestreifens weniger ausbleichen konnte.
Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass der reduzierte, „speckige“ Firnis nicht von Robert Delaunay stammte, also nicht original war, sondern dass er bei Restaurierungsmassnahmen in Frankreich vor 1950 aufgetragen wurde, vermutlich gleichzeitig mit dem Anbringen der ringsumlaufenden Randverklebung.

Bei der gelben Farbschicht, links im Bild, erinnert die Oberfläche an Krokodilhaut. Es handelt sich dabei um Blasen. Die Malschicht hatte sich konvex deformiert, darunter befanden sich Lufthohlräume von Durchmessern bis 1,5 cm.
Bei der gelben Farbschicht, links im Bild, erinnert die Oberfläche an Krokodilhaut. Es handelt sich dabei um Blasen. Die Malschicht hatte sich konvex deformiert, darunter befanden sich Lufthohlräume von Durchmessern bis 1,5 cm.
Die Ursache der «Runzelbildung» konnte bisher nicht geklärt werden, weitere Untersuchungen laufen noch.
Die Ursache der «Runzelbildung» konnte bisher nicht geklärt werden, weitere Untersuchungen laufen noch.
In den Vertiefungen des breiten Craquelés sowie auf einer der gelben Farbflächen ist ein milchig-weisser Film zu erkennen. Die darunterliegende Farbe ist extrem porös. Es handelt sich hierbei um früher eingebrachtes Festigungsmittel (Polyvenylacetat = Weissleim). Dieses Bindemittel spaltet mit der Zeit Säure ab und führt damit zur Versprödung der Farbschicht. Der dadurch entstandene Schaden ist nicht mehr zu beheben.
In den Vertiefungen des breiten Craquelés sowie auf einer der gelben Farbflächen ist ein milchig-weisser Film zu erkennen. Die darunterliegende Farbe ist extrem porös. Es handelt sich hierbei um früher eingebrachtes Festigungsmittel (Polyvenylacetat = Weissleim). Dieses Bindemittel spaltet mit der Zeit Säure ab und führt damit zur Versprödung der Farbschicht. Der dadurch entstandene Schaden ist nicht mehr zu beheben.