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Kunsthaus Zürich

Videosammlung

Restaurierungs- und Digitalisierungsprojekt (2014-2018)

Das Projekt «Restaurierung und Digitalisierung der Videosammlung des Kunsthaus Zürich» wird grosszügig unterstützt von der Sophie und Karl Binding Stiftung.

Das Kunsthaus Zürich besitzt eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen von Videokunst in der Schweiz. Auf Initiative der damaligen Vizedirektorin Dr. Ursula Perucchi begann das Museum bereits Ende der 1970er Jahre gezielt eine Sammlung von künstlerischen Videos aufzubauen. Die Pioniergeneration von Videokünstlern zu denen u.a. Vito Acconci, Bruce Nauman, John Baldessari und Nam June Paik gehören, bildet einen Schwerpunkt der Sammlung. Ein weiterer Fokus liegt auf der deutschen Videoszene der 1980er Jahre, zu denen Künstler wie Marcel Odenbach, Ulrike Rosenbach oder Klaus vom Bruch gehören. Aber auch eine junge Generation zeitgenössischer Künstler ist gut vertreten, denn die Bestände wurden in den letzten Jahren stetig erweitert. Insgesamt zählt die Sammlung ca. 550 Werke nationaler und internationaler Künstler.

Die technischen Eigenheiten des Mediums Video stellen Museen vor immer wieder neue Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund nahm das Kunsthaus bereits in den 90er /anfangs 2000er-Jahren ein grosses Projekt in Angriff und liess eine Vielzahl von Bändern aus der Sammlung auf das Digital-Betacam-Format kopieren. Die damalige Annahme, dass dieses Archivformat die Lösung für die nächsten 20 Jahre sein würde, stellt sich heute allerdings als überholt heraus.

Inzwischen hat sich die Technologie rasant weiterentwickelt, und es ist an der Zeit, auf eine dateibasierte Archivierung umzusteigen. Mit dem Internet sind zusätzliche Ansprüche an die Zugänglichkeit entstanden. Daher wird die Videosammlung nun in einem über mehrere Jahre dauernden Projekt vollständig digitalisiert und im Anschluss in einem digitalen Langzeitarchiv gespeichert. Vorgesehen ist auch, die Sammlung in Zukunft übers Intranet Forschenden und Interessierten zugänglich zu machen.

Etwa 260 Bänder der Sammlung sind stark verschmutzt oder weisen Defekte auf, so dass sie aufwändig restauriert werden müssen. Schritt für Schritt werden diese Videos vom Atelier für Videokonservierung in Bern gereinigt und aufbereitet.

Zustand und Erscheinung der Videos werden inklusive einer MAZ-Karte und eventuell mit Stills von beschädigtem Material dokumentiert. Auch die Reinigung aller Bänder ist ein Muss. Falls dies am Stück nicht möglich ist, weil z.B. das Band klebt, muss es zunächst getrocknet werden. Nach der Reinigung werden die Bänder im Videoschnittprogramm FinalCut mit einer Auflösung von 10-Bit-uncompressed 4:2:2 eingelesen und digitalisiert. Mittels TBCs (Time Base Correctors) und DropOut-Kompensation wird das Signal stabilisiert. Die Reinigung wie auch Digitalisierung führen zu einer deutlichen Stabilisierung des Signals. Störungen können so beseitig werden. Eine Qualitätskontrolle nach der Digitalisierung hilft Fehler zu vermeiden (falscher Normenwandel, unerwünschte Skalierungen oder Beschneidungen etc.).Die digitalisierten Videos werden zu Archivierungs- und Vorführzwecken auf Festplatten und LTO-Bänder exportiert. Aufgrund des noch nicht vorhandenen digitalen Langzeitarchivs, müssen die Files momentan noch extern gespeichert werden. 

Nach Abschluss der Arbeiten ist vorgesehen, eine Auswahl der Videos in einer kleinen Ausstellung zu präsentieren.

Das Videomaterial wird mit Unterstützung von Memoriav, Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz, erhalten und wieder zugänglich gemacht.

Abb. 1
Joan Jonas, Left Side Right Side, 1972, Video
Zustand bei fehlender Reinigung:
Starke Störungen
Abb. 1
Joan Jonas, Left Side Right Side, 1972, Video
Zustand bei fehlender Reinigung:
Starke Störungen
Abb. 2
Joan Jonas, Left Side Right Side, 1972, Video
Zustand nach Reinigung:
Gute Qualität
Abb. 2
Joan Jonas, Left Side Right Side, 1972, Video
Zustand nach Reinigung:
Gute Qualität