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Kunsthaus Zürich

Zürcher Nelkenmeister

«Anbetung der Heiligen Drei Könige»

Mit den beiden vom jüngeren Zürcher Nelkenmeister (Hans Leu der Ältere) gemalten Altarflügeln eines mächtigen Michael-Altares besitzt das Kunsthaus die bedeutendsten erhaltenen Zeugnisse der Blütezeit der Zürcher Malerei vor dem Bildersturm von 1524. Die um 1490 geschaffenen und ursprünglich beidseitig bemalten Flügel waren bereits in vier Tafeln gespalten als sie 1929 in die Sammlung gelangten. Auf der linken Seite eines heute verschollenen Schreins befand sich die Darstellung der «Anbetung der Heiligen Drei Könige». Diese Tafel war für die Gläubigen nur an Feiertagen bei geöffnetem Schrein sichtbar.
 
Die letzte Restaurierung der «Anbetung der Heiligen Drei Könige» lag bereits über 80 Jahre zurück. Neben Rissen im Holz und damit einhergehenden Malschichtverlusten stellten die farblichen Veränderungen der alten Retuschen gravierende optische Beeinträchtigungen dar, weshalb konservatorische und restauratorische Massnahmen dringend erforderlich waren. Dank Unterstützung der Ernst Göhner Stiftung konnten diese zwischen Dezember 2017 und November 2018 durchgeführt werden.

Zustand des Werks vor der Restaurierung
Die bereits vor dem Ankauf in den 1920er Jahren auseinandergesägte, auf 8mm gedünnte, anschliessend auf eine Trägerplatte aufgeleimte und zusätzlich noch parkettierte Holztafel wies mehrere feine Risse im Holz auf. Zudem lösten sich die rückseitig aufgeleimten Parkettierungsleisten teilweise ab. Sowohl die Parkettierung als auch die starre Montage im Rahmen verursachten Spannungen in der Holztafel, die bei Klimaschwankungen sehr leicht zu weiteren Rissen hätten führen können.

Die Malerei selbst zeigte diverse Malschichtverluste entlang der Risse und vor allem entlang der unteren Bildkante. Zahlreiche Kittungen in den Rissbereichen begannen sich herauszulösen und lagen nicht mehr plan zur Malschichtoberfläche.

Die vielen stark verfärbten und nachgedunkelten Retuschen der vorangehenden Restaurierung, fielen sehr störend ins Auge. Dies betraf sowohl die Bereiche der Temperamalerei als auch die des vergoldeten Hintergrundes. Die Retuschen und Kittungen im Goldhintergrund waren zudem sehr grob und unsachgemäss ausgeführt.

Konservierungs- und Restaurierungsmassnahmen
Bevor mit den Restaurierungsarbeiten an der Malerei begonnen werden konnte, mussten zunächst die Risse in der Holztafel konsolidiert werden, was grösstenteils schon durch eine Fixierung der gelockerten Parkettierungsleisten erreicht wurde. Gefährdete Bereiche der Malschicht oder am gotischen Rahmen wurden ebenfalls gefestigt.

Anschliessend wurde eine behutsame Oberflächenreinigung durchgeführt und ein Grossteil der verfärbten und schlecht ausgeführten alten Retusche und Kittungen entfernt. Dies geschah fast ausschliesslich mechanisch, d.h. überwiegend mit dem Skalpell. Besonders aufwändig war die Freilegung im Bereich des Goldhintergrundes. Immerhin liess sich durch die Abnahme der alten Kittungen und Retuschen auch ein Teil der originalen Vergoldung wieder freilegen. Neben dem Skalpell kam hier zur Freilegung der Vergoldung auch ein Silikon-Polierstift zur Anwendung.

Nach Entfernung der alten Übermalungen und Kittungen wurden die Fehlstellen neu gekittet und retuschiert. Im Bereich des Goldhintergrundes wurde ein spezielles Anlegemittel streng begrenzt auf die Fehlstellen aufgetragen. Anschliessend wurde Pudergold aufgsprüht, das auf dem Anlegemittel haften blieb und nach einer bestimmten Trocknungszeit poliert und weiter retuschiert werden konnte.

Seit Ende November 2018 hängt das restaurierte Gemälde wieder an seinem festen Platz in der Kunsthaus Sammlung, direkt neben den anderen Tafeln des von Hans Leu geschaffenen Altares, welche die «Ausgiessung des Heiligen Geistes», «Das Jüngste Gericht» und den «Höllensturz» darstellen.

Unterstützt von:
Ernst Göhner Stiftung

Abb. 1
Der jüngere Zürcher Nelkenmeister (Hans Leu der Ältere),
Anbetung der Heiligen Drei Könige, um 1490
Gesamtansicht im Originalrahmen vor der Restaurierung
Abb. 1
Der jüngere Zürcher Nelkenmeister (Hans Leu der Ältere),
Anbetung der Heiligen Drei Könige, um 1490
Gesamtansicht im Originalrahmen vor der Restaurierung
Abb. 2
Gesamtansicht, UV-Fluoreszenz-Aufnahme
Retuschen und Überarbeitungen lassen sich im UV farblich von der originalen Malerei unterscheiden.
Abb. 2
Gesamtansicht, UV-Fluoreszenz-Aufnahme
Retuschen und Überarbeitungen lassen sich im UV farblich von der originalen Malerei unterscheiden.
Abb. 3
Die alten Kittungen und verfärbten Retuschen im Bereich des roten Gewandes sind sehr auffällig.
Abb. 3
Die alten Kittungen und verfärbten Retuschen im Bereich des roten Gewandes sind sehr auffällig.
Abb. 4
Gesamtansicht nach der Restaurierung
Abb. 4
Gesamtansicht nach der Restaurierung