Kunsthaus Zürich
Pipilotti Rist
Pipilotti Rist
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Rist_Video_for_Miklos_Rozsas_Andante
Video for Miklos Rozsa’s ‘Andante for Strings, Op. 22a’, 2015, Standbild
 Pipilotti Rist wurde 1962 in Grabs im Schweizer Rheintal geboren. Seitdem sie Mitte der 1980er und 1990er Jahre mit Einkanalvideos wie «I’m Not The Girl Who Misses Much» (1986) und «Pickelporno» (1992) in der internationalen Kunstszene bekannt wurde, hatte sie zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen und gilt als eine der bedeutendsten Videokünstlerinnen der Gegenwart. 2009 wurde ihr von der Fundació Joan Miró, Barcelona, der Joan-Miró-Preis für ihr weitumfassendes künstlerisches Schaffen und ihren herausragenden Beitrag zur zeitgenössischen Kunstszene verliehen. Für ihren ersten Kinofilm «Pepperminta» (2009) wurde Rist 2009 der ausserordentliche Preis des Präsidenten der Jury des sechsten Seville European Film Festival in Spanien verliehen, und 2010 bekam sie den Cutting the Edge Award des Miami International European Film Festival. 2012 erhielt Rist den Harper’s Bazaar Art China Prize, 2013 den Züricher Festspielpreis und 2014 den Prix Meret Oppenheim.
Einzelausstellungen der letzten Jahre waren u. a. «Komm Schatz, wir stellen die Medien um & fangen nochmals von vorne an», Kunsthalle Krems, Österreich (2015); «Gentle Wave in Your Eye Fluid», Times Museum, Guangzhou, China (2013); «Pipilotti Rist. A la belle étoile«, Henry Art Gallery, University of Washington, Seattle, USA (2012); «Pipilotti Rist – Spear to Heaven!», LEEUM – Samsung Museum of Art, Seoul, Korea (2012); «Blutbetriebene Kameras und quellende Räume», Kunstmuseum St. Gallen, Schweiz (2012); «Eyeball Massage», Hayward Gallery, London, England (2011), und Kunsthalle Mannheim, Mannheim (2012); «Parasimpatico», Fondazione Nicola Trussardi, Cinema Manzoni, Mailand, Italien (2011); «Pipilotti Rist. Partit amistós – sentiments electrónics», Fundació Joan Miró & Centre Cultura Caixa Girona Fontana d’Or, Barcelona/Girona, Spanien (2010); «Elixir – The video organism of Pipilotti Rist», Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, Niederlande (2009); «Pour Your Body Out» (7354 Cubic Metres), MoMA, New York, USA (2008).
Portrait Rist Andrea-A-Pante
Foto © Andrea A. Panté, 2016

 Pipilotti Rist gehört zu den wegweisenden Figuren der Videokunst, hat international Karriere gemacht – und lebt in Zürich. Die letzte institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in dieser Stadt liegt jedoch mehr als 15 Jahre zurück. Es ist daher Zeit für eine grosse Schau. Unter dem Titel «Dein Speichel ist mein Taucheranzug im Ozean des Schmerzes» präsentiert das Kunsthaus eine Überblicksausstellung zum künstlerischen Schaffen von Pipilotti Rist mit Werken von 1986 bis heute. Der Titel ist eine Liedzeile aus einem frühen Song von Pipilotti Rist und Anders Guggisberg und eröffnet auf spielerisch-assoziative und atmosphärische Weise eine zusätzliche Ebene zur Ausstellung.

 Sinnlich, erheiternd und unerschrocken befasst sich die Künstlerin in ihrem Werk mit Konventionen und Tabus. Die Ausstellung zeigt historische Schlüsselwerke, wie die berühmten Single-Channel-Videos aus den 1980er Jahren, präsentiert daneben aber auch ganz neue, speziell fürs Kunsthaus entstandene Werke. Die Schau ist keine klassische Retrospektive, sondern als Gesamtinstallation konzipiert, in der unerwartete Bezüge zwischen den verschiedenen Werkgruppen erkennbar werden.

Das neuste Werk in der Ausstellung heisst «Pixelwald» (2016). Es besteht aus insgesamt 3000 LED-Leuchtkörpern, die an Kabellianen im Raum hängen und sich zu einem magischen Bild-Wald zusammenfügen, den die Besucher durchwandern können. Jeder der LED-Leuchtkörper wird einzeln mit einem Videosignal angesteuert, so dass sich der Lichterwald ständig verändert. Das Ganze ist so etwas wie ein bewegtes pointillistisches Bild in 3D oder die Idee «eines in den Raum explodierten Bildschirmes», wie es die Künstlerin umschreibt.

 In der Mitte des Saales hat Pipilotti Rist ein kollektives «Heim» eingerichtet und zeigt darin rund zwei Dutzend Objektassemblagen und Videoskulpturen aus den letzten zwei Jahrzehnten. Das «Heim» erinnert nicht nur an die gemütliche Stube zu Hause. Es verweist auch auf Ignaz Heim, einen Musiker und Komponisten aus dem 19. Jahrhundert, nach dem der «Heimplatz», benannt wurde, wo sich das Kunsthaus befindet. Im letzten Drittel des Saales werden die berühmten Videoarbeiten aus den 1990er Jahren wie «Sip My Ocean» (1996) und «Ever Is Over All» (1997) abwechselnd mit der raumfüllenden Projektion «Worry Will Vanish Horizon» (2014) aus dem Jahre 2014 gezeigt – letztere übrigens zum ersten Mal in Zürich. Bei der Präsentation dieser Werke geht die Ausstellung neue Wege: die drei Videoarbeiten sind nicht gleichzeitig zu sehen, sondern wechseln sich in einer Art Gesamtchoreographie ab.

Rist Im not the Girl
I’m Not The Girl Who Misses Much, 1986, Einkanalvideo (Standbild)
Rist Pixelwald
Pixelwald, 2016, Installation: hängende LED-Lichter, Diffusoren, Systemnetzteile, Steuerung, Media-Player Masse variabel, Dauer: 35’ 00”, (Aufnahme vom Testaufbau im Atelier), Foto: Jürg Egli
Rist Heim
Ölbilduboot, 2010, Audiovisuelle Installation, Ausstellungsansicht in «Sommergäste: Pipilotti Rist – Schliessen Sie mir das Kleid, Danke!», 2010, Museum Langmatt, Baden, Schweiz, Foto: Nici Jost
Rist Sip my Ocean
Sip My Ocean, 1996, Audiovisuelle Installation (Standbild), Sound: Anders Guggisberg, Pipilotti Rist after Chris Isaak, Wicked Game, 1989
Rist Ever Is Over All 1997
Ever Is Over All, 1997, Audiovisuelle Installation (Standbild)
Rist Worry will vanish
Worry Will Vanish Horizon, 2014, Audiovisuelle Installation, Musik von Anders Guggisberg, Installationsansicht, Hauser & Wirth, London, 2014, Foto: Alex Delfanne
Rist Im not the Girl
I’m Not The Girl Who Misses Much, 1986, Einkanalvideo (Standbild)
Rist Pixelwald
Pixelwald, 2016, Installation: hängende LED-Lichter, Diffusoren, Systemnetzteile, Steuerung, Media-Player Masse variabel, Dauer: 35’ 00”, (Aufnahme vom Testaufbau im Atelier), Foto: Jürg Egli
Rist Heim
Ölbilduboot, 2010, Audiovisuelle Installation, Ausstellungsansicht in «Sommergäste: Pipilotti Rist – Schliessen Sie mir das Kleid, Danke!», 2010, Museum Langmatt, Baden, Schweiz, Foto: Nici Jost
Rist Sip my Ocean
Sip My Ocean, 1996, Audiovisuelle Installation (Standbild), Sound: Anders Guggisberg, Pipilotti Rist after Chris Isaak, Wicked Game, 1989
Rist Ever Is Over All 1997
Ever Is Over All, 1997, Audiovisuelle Installation (Standbild)
Rist Worry will vanish
Worry Will Vanish Horizon, 2014, Audiovisuelle Installation, Musik von Anders Guggisberg, Installationsansicht, Hauser & Wirth, London, 2014, Foto: Alex Delfanne

Performance
mit Eugénie Rebetez

Eugénie Rebetez (*1984) gehört zu den wichtigsten jungen Schweizer Tänzerinnen und Choreografinnen. Mit «Gina» und «Encore» – Bühnenstücke, in denen sie eine humorvolle Frauenfigur verkörpert – spielte, tanzte und sang sich Eugénie Rebetez in die Herzen eines breiten Publikums. Sie ging auf internationale Tournee und wurde in der Schweiz und im Ausland berühmt. Die Performance im Kunsthaus ist eine neue Produktion und entsteht in Zusammenarbeit mit Pipilotti Rist.

Neue Zeiten:
14. April, 19.30 Uhr und
16./17. April, 18.30 Uhr
Die Performance findet in der Ausstellung statt. Der Eintritt ist im Ausstellungsticket inklusive.
Eine Reservation ist erforderlich: carlotta.graedel@kunsthaus.ch oder direkt an der Kasse im Kunsthaus.

Führungen

Öffentliche Führungen:
Deutsch: Mittwochs 18 Uhr, freitags 15 Uhr, sonntags 11 Uhr
Englisch: Sa 5. März und 9. April, 13 Uhr
Französisch: Sa 2. April, 13 Uhr

Private Führungen können auf Anfrage vereinbart werden.



Werkstatt

Kunstgespräch für Erwachsene ab 16 Jahren

Mit Haut und Haar
Die sinnlich-farbenintensiven Videoinstallationen von Pipilotti Rist sind in ihrer Körperlichkeit oft irritierend vereinnahmend. Bekanntes verwandelt sich in Unerwartetes. Eine Wiese wird zu einem Urwald und der menschliche Körper zu einer Landschaft. Im gemeinsamen Gespräch vor ausgewählten Werken in der Ausstellung tauchen wir in ihren Kosmos ein.
Mit Eveline Schüep

Mi 6. April, 18.15–19.45 Uhr CHF 25.–/Mitglieder CHF 10.–

Von 7 bis 12 Jahren

Zauber im Pixelwald
Pipilotti Rist schafft mit der Videokamera eine geheimnisvolle und farbenfrohe Welt. In der Ausstellung gehen wir auf Entdeckungsreise – im Atelier experimentieren wir mit der Kamera und schaffen unseren eigenen Kosmos.
Mit Eveline Schüep

Fr 26. Februar, 10.15–14.15 Uhr, Lunch mitbringen
Di 26. April, 10.15–14.15 Uhr, Lunch mitbringen
CHF 25.–

 Die eigens für die Ausstellung entwickelte App bietet folgende Funktionen:

  • Audioguide in Deutsch, Englisch und Französisch
  • Bilder aus der Ausstellung zu den Audioguide-Texten
  • Viele Informationen zur Künstlerin und zur Ausstellung
  • Spezielle Aufgaben für Kinder und ein extra für die Ausstellung verfasstes Märchen
  • Soundtrack mit den Lieblingshits der Künstlerin
  • Eine für die App entwickelte Kamerafunktion, die zu eigenen kreativen Bildexperimenten einlädt. Mit der Kamera lassen sich Alltagsobjekte verfremden und farblich umwandeln. Das fertige Bild kann in die Visitor Gallery hochgeladen oder mit Freunden, Familie und auf Facebook, Instagram oder Twitter geteilt werden.

 Zur Ausstellung erscheint eine Publikation in Deutsch und Englisch (Snoeck Verlag, Köln, 168 Seiten, 117 Abbildungen), die mehr ist als ein klassischer Ausstellungskatalog. Sie ist als Glossar aufgebaut, das die wichtigsten Themen und Begriffe von Pipilotti Rists künstlerischem Universum anhand kurzer literarischer und visueller Beiträge von A–Z beleuchtet. Die Liste der Stichworte ist in engem Austausch mit der Künstlerin entstanden und umfasst eine Mischung aus künstlerischen und persönlichen Inhalten: Von Angst, Auge und Blut über Heimat, Licht, Objekt, Raum, Rituale bis zu Schallplatten, Traum, Wasser, XX-Chromosom und Zeit.

Ganz unterschiedliche Autoren wurden eingeladen: Elfriede Jelinek (Schriftstellerin), Alan Litke (Beigeordneter Professor für Physik), Gilles Deleuze (Philosoph), Änne Söll (Professorin für Kunstgeschichte), Kaori Kuwabara (Lichtdesignerin), Anders Guggisberg (Künstler und Musiker), Carolee Schneemann (Künstlerin), Elisabeth Bronfen (Kultur- und Literaturwissenschaftlerin), Chris Niemeyer, Filmregisseur, Andreas Lechthaler (Architekt), Silke Meyns (Chemikerin), Brida von Castelberg (Frauenärztin), Käthe Walser (Freundin) u.v.a.m. Ergänzt werden die Beiträge durch Bildmaterial, das in vielen Fällen bisher noch nie veröffentlicht wurde und direkt aus dem Archiv von Pipilotti Rist in Zürich stammt. Die Künstlerin selbst hat Gedichte beigesteuert sowie zwölf grosse Bildtafeln, die man aus dem Buch herausnehmen und aufstellen können – als eine ganz spezielle, eigene Pipilotti Rist-Edition.

 Offen

Fr–So/Di 10–18 Uhr
Mi/Do 10–20 Uhr
Ostern 25.–28. März, 1. Mai und Auffahrt 5. Mai: 10–18 Uhr

 Eintritt

Eintritt inkl. Audioguide/App d/e/f: CHF 22.–/17.– reduziert und Gruppen.
Bis 16 Jahre Eintritt frei.
Kombi-Ticket (Ausstellung und Sammlung): CHF 25.–/18.– reduziert und Gruppen.

 Vorverkauf

SBB RailAway-Kombi. Ermässigung auf Anreise und Eintritt: am Bahnhof oder beim Rail Service 0900 300 300 (CHF 1.19/Min. ab Festnetz), www.sbb.ch/kunsthaus-zuerich.
Zürich Tourismus: Hotelzimmer-Buchung und Ticketverkauf, Tourist Service im Hauptbahnhof, Tel. +41 44 215 40 00, information@zuerich.com, www.zuerich.com.

Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1, CH–8001 Zürich Tel. +41 (0)44 253 84 84, www.kunsthaus.ch, info@kunsthaus.ch

Zürcher Kunstgesellschaft
Postfach, CH-8024 Zürich

Design: Martin Stoecklin, www.studio-mst.com
Web: Ron Widmer, www.taktil.ch

Abdruck mit Quellenangabe erwünscht.
© Kunsthaus Zürich 2016

Alle Werke: Courtesy the artist, Hauser & Wirth and Luhring Augustine