Das Kunsthaus Zürich präsentiert in einer Ausstellung den bisher grössten Überblick an Skizzenbüchern des Schweizer Künstlers Rudolf Koller (1828–1905). Koller ist bekannt für seine charakterstarken Tierporträts sowie für die «Gotthardpost», ein in der Schweizer Kunstgeschichte ikonisches Gemälde, das sich ebenfalls im Kunsthaus Zürich befindet.

Von Skizzen zu Ölstudien

Das Kunsthaus Zürich verwahrt 67 der insgesamt 85 erhaltenen Skizzenbücher Rudolf Kollers. Koller ist damit – rechnet man weitere Zeichnungen, Radierungen, Ölstudien und Gemälde von seiner Hand hinzu – einer der am besten vertretenen Künstler des Kunsthauses. Die Präsentation «Rudolf Koller. Die Skizzenbücher» eröffnet dem Betrachter einen schier unermesslichen Kosmos an Skizzen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und von spielerischen Fingerübungen bis hin zu detaillierten, bildmässig ausgeführten Zeichnungen reichen. Diese Rundumschau bildet den Schluss- und Höhepunkt eines mehrjährigen Restaurierungs- und Digitalisierungsprojektes, so dass die Bücher nun in frischem Gewand präsentiert werden können. Vorgestellt werden die aussagekräftigsten Skizzenbücher, ergänzt um meisterhaft ausgeführte Blätter, die bereits früher aus den Büchern entnommen wurden. Zudem werden die Skizzenbücher in einen Dialog zu Kollers Ölstudien gesetzt, etwa zu jenen der «Gotthardpost», um dem Publikum die Möglichkeit zu eröffnen, einzelne Etappen in der Bildfindung direkt nachzuvollziehen.

Das Publikum erwartet eine Vielfalt an Techniken, die in Kollers Skizzenbüchern zur Anwendung kommen. Von Grafit, Feder und Kohle bis hin zum Einsatz des Pastells reicht die Spannweite an Zeichenmittel, die sich in Kollers Skizzenbüchern ausmachen lassen.

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Rudolf Koller, Erste Skizze zu «Die Gotthardpost», 1873, Kunsthaus Zürich, Gottfried Keller-Stiftung, Bundesamt für Kultur, Bern, 1896
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Rudolf Koller, Studie zu «Die Gotthardpost». Aus: Skizzenbuch P 42, fol. 43, vor 1873, Kunsthaus Zürich, 1905
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Rudolf Koller, Studie zu «Kühe im Wasser». Aus: Skizzenbuch P 55, fol. 32, vor 1869, Kunsthaus Zürich, 1905
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Rudolf Koller, Studie zu «Idylle am Hasliberg». Aus: Skizzenbuch P 36, fol. 35, 1862/1864, Kunsthaus Zürich, 1905
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Rudolf Koller, Studie zu «Idylle am Hasliberg». Aus: Skizzenbuch P 28, fol. 4, vor 1864 Grafitstift auf Papier, 28,2 x 21,8 cm Kunsthaus Zürich, 1905
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Rudolf Koller, Zehn Kühe. Aus: Skizzenbuch P 67, fol. 25, 1869/1870, Kunsthaus Zürich, 1905
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Originale vor Ort. Digitalisate Online

Sämtliche Skizzenbücher stammen aus der Grafischen Sammlung des Kunsthauses und sind regulär nur nach vorheriger Anmeldung einsehbar. Der nun ermöglichte grosse Gesamtüberblick bietet die seltene Gelegenheit, einen zeichnerischen Virtuosen zu entdecken, der mit der Bezeichnung «Tiermaler» zweifellos nur unzureichend beschrieben wäre. Seit diesem Jahr ist es zudem möglich, bereits zehn Skizzenbücher des Künstlers virtuell durchzublättern und damit Querverbindungen zwischen seinem zeichnerischen und malerischen Œuvre zu ziehen, weitere Bücher werden folgen. In der Ausstellung selbst werden Medienstationen die Möglichkeiten bieten, sich durch einzelne Bände zu navigieren. Nach einer zweijährigen Phase der Restaurierung und Digitalisierung der Skizzenbücher wird unseren Besucherinnen und Besuchern nun Einblick in diesen intimen Kosmos von Kollers Bildwelt gewährt.

Die Restaurierung und Digitalisierung der Skizzenbücher Rudolf Kollers wurde durch die Stiftung Familie Fehlmann, Winterthur, ermöglicht.

Abb: Rudolf Koller, Ruhender Löwe, aus: Skizzenbuch P 65, fol. 2, 1851–1855, Kunsthaus Zürich, 1905

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