Die Zeit zählt zu den grossen Rätseln der Zivilisationsgeschichte. Die Definitionen von Zeit sind zahlreich und finden sich in unterschiedlichen Disziplinen von der Religion über die Biologie und Öko-nomie bis zur Physik und natürlich in der Kunst. Neue Aktualität erhielt das Thema durch den Corona-«Stillstand» des ersten Lockdowns, als Raum und Zeit schlagartig in ihren Extremen erlebt wurden.
Es überrascht, dass in der Uhrennation Schweiz die Zeit erst von wenigen Kunstmuseen zum Gegenstand einer epochenübergreifend und transdisziplinär angelegten Ausstellung gemacht worden ist. Unser sinnlicher Streifzug durch die Geschichte der Zeit umfasst Gemälde, Filme, Installationen, Performances und Realien wie Uhren ab den 1750er-Jahren bis in die Gegenwart. Sie zeugen u. a. von der Flüchtigkeit des Lebens, von Meditationsmöglichkeiten in der Malerei, vom Wechsel der Jahreszeiten oder einem Finanzmarkt, der inzwischen auf die Billionstelsekunde getaktet ist. Auch wenn die Uhr als Zeitmessinstrument am Ausgangspunkt steht: Perspektiven wie die physikalische, biologische, paläontologische oder auch jene persönlicher Empfindungen werden hier untersucht. So laden uns partizipative Performances und Installationen dazu ein, sich in der Gegenwart gemeinsam, aber auch kritisch über unterschiedliche Zukunftsmodelle auszutauschen. Folgen wir hier also dem Rat des renommierten Uhrenspezialisten David Rooney: «Wir müssen jenseits der Zifferblätter unserer Uhren schauen, um zu begreifen, wer dahintersteckt, statt einfach dem zu gehorchen, was uns diese Gegenstände zu tun anweisen.»

In Zusammenarbeit mit u. a. dem Musée international d’Horlogerie (MIH) in La Chaux-de-Fonds, Arts at CERN und dem Literaturhaus Zürich. Mit Werken von u. a. Giacomo Balla, Julius von Bismarck, Manon de Boer & George van Dam, Abraham-Louis Breguet, Ohan Breiding & Shoghig Halajian, Pieter Claesz, Honoré Daumier, Cao Fei, John Harrison, William Hogarth, Roni Horn, Monica Ursina Jäger, Pierre & Henri-Louis Jaquet-Droz, On Kawara, Herlinde Koelbl, Alicja Kwade, Jürg Lehni, MANON, Sophie Nys, Dieter Roth, Cyril Schäublin und Una Szeemann.

Abb.: Pieter Claesz, Stillleben mit grossem Berkemeyer und goldener Taschenuhr, um 1632, Kunsthaus Zürich, Stiftung Betty und David Koetser, 1978

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