Johann Heinrich Füsslis (1741 –1825) eigenwillige Kunst spaltete die öffentliche Meinung während seiner gesamten Laufbahn. Was dem Publikum damals jedoch weitgehend verborgen blieb, war seine private Beschäftigung mit zeitgenössischen Frauendarstellungen, die er vor allem in Zeichnungen thematisierte.
Nirgends sonst hat sich Füssli derart intensiv mit der modernen Frau als Figur gesteigerter und beunruhigender Macht befasst: Wo man idealisierte Körper in anmutigen Posen erwarten würde, treten stattdessen dominante Frauen in raffinierten modischen Arrangements auf, deren Häupter von Frisuren der bizarrsten Art gekrönt werden.
Was aber hat es mit dieser ambivalenten Darstellung von ermächtigter Weiblichkeit auf sich? Durch die Zusammenführung von rund fünfzig dieser Studien bietet unsere Ausstellung eine noch nie dage-wesene Gelegenheit, den Zeichner Füssli in seiner aufregendsten Form zu entdecken.

Abb.: Johann Heinrich Füssli, Halbfigur einer Kurtisane mit Federbusch, Schleife und Schleier im Haar, um 1800 –1810, Kunsthaus Zürich, Gottfried Keller-Stiftung, Bundesamt für Kultur, Bern, 1934